Hochzeit

Fünf Trauungen an einem Tag: Paare heiraten trotz Coronakrise

Martina Wirthlin im neuen Trauzimmer im Haus am Schlossberg in Laufenburg.

Seit Juni befindet sich das regionale Zivilstandsamt im Haus am Schlossberg in Laufenburg. Der Start ist geglückt. Viele Paare geben sich trotz der schwierigen Umstände das Ja-Wort.

Es passte perfekt. Am 4. Juni öffnete das neue regionale Zivilstandsamt im Haus am Schlossberg in Laufenburg erstmals ­seine Türen, auf den 6. Juni hin lockerte der Bundesrat das Coronaversammlungsverbot weiter – und an ebendiesem 6. Juni, einem Schnapszahldatum, erlebten die beiden Zivilstandsbeamtinnen Martina Wirthlin und Nicole Schädeli «unsere Feuertaufe in den neuen Räumen», so Wirthlin, die das Zivilstandsamt leitet.

Gleich fünf Trauungen an einem Tag. Dabei kamen weniger die beiden Zivilstandsbeamtinnen ins Schwitzen als das eine oder andere Paar. Denn mit den Lockerungen des Coronaregimes waren wieder Trauungen mit mehr als vier Personen möglich. «Einige disponierten deshalb noch schnell um und luden Leute ein.»

Schon am ersten Trautag «lief alles reibungslos», sagt Wirthlin. «Es zeigte sich, dass die Räume optimal waren und die Abläufe stimmten.» Vor allem freut Wirthlin das «durchs Band weg gute Feedback», das sie seit der Eröffnung für die neuen Traulokalitäten erhalten hat. Geschätzt wird nicht nur das helle Trauzimmer, sondern auch die Schlossbergmatte direkt beim Trauzimmer, die für den anschliessenden Apéro gemietet werden kann. «Die Kulisse vor dem Schlossberg ist natürlich für Fotos optimal», weiss Wirthlin. Aber auch aus der Bevölkerung bekommen Wirthlin und Schädeli viel positives Feedback. «Alle sagen, der Altstadtteil habe durch die Neugestaltung viel gewonnen.»

Insgesamt gaben sich in diesem Jahr auf dem regionalen Zivilstandsamt in Laufenburg bislang 67 Paare das Jawort, 20 davon in den neuen Räumen. Im Vergleich zum letzten Jahr sind das – trotz Corona – nur rund zehn weniger. «Wir rechneten damit, dass die Zahlen stärker zurückgehen», sagt Wirthlin. Vor allem für die Zeit, als nur das Paar und die Trauzeugen im Trauzimmer sein durften. Inzwischen hat es unter Einhaltung der Abstandsregeln wieder für maximal 25 Personen Platz.

Und noch etwas erstaunte Wirthlin: Es gab in der Coronazeit sogar Paare, die sich sagten: «Jetzt erst recht.» Das seien nicht selten auch Personen aus Risikogruppen gewesen, weiss Wirthlin.

Bis am Vorabend um ­Bewilligung gebangt

Auf die verschärften Coronabestimmungen haben die meisten Paare «mit viel Verständnis» reagiert. Die einen liessen sich trotzdem trauen und verschoben nur das Fest, andere die ganze Hochzeit. Im Juli und August trauen Wirthlin und Schädeli nun viele Paare, die eigentlich im April oder Mai heiraten wollten.

Bis Ende Jahr sind bereits 40 Hochzeiten terminiert. 46 weitere Paare haben sich angemeldet, der Termin steht allerdings noch nicht. Das liegt zum Teil auch daran, dass die Dokumentbeschaffung wegen der Coronakrise im Ausland schwieriger ist.

Erschwert hat die Coronakrise das Heiraten gerade auch grenzüberschreitenden Paaren. Denn die Grenze war für Liebespaare mehrere Monate nahezu dicht; rüber konnte nur, wer eine Sonderbewilligung hatte. «Ein Bräutigam aus Deutschland wusste am Tag vor der Heirat noch nicht, ob er die Bewilligung erhält», erzählt Wirthlin. Am Abend dann die Erlösung: Er darf einreisen, die Hochzeit konnte stattfinden. «Die beiden waren sehr erleichtert», erinnert sich Wirthlin.

Wirthlin und Schädeli steht nun ein hochzeitmässig heisser Sommer und Herbst bevor. Sie werden dabei kühlen Kopf bewahren. Wie immer. Sie sind beide routiniert. Wirthlin arbeitet schon 16 Jahre auf dem Zivilstandsamt in Laufenburg. In dieser Zeit hat sie 1060 Ehen geschlossen.

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